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Photo: Paweł Sosnowski


dr Albrecht Goetze  (1942-2015) – der Urheber des Aufbaus des „MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN“; ein Freund von Polnisch.


Er hatte einen Traum: an der Neiße ein Musikzentrum für Begegnungen junger Europäer einzurichten. Das ist ein idealer Ort, sagt er. Albrecht Goetze, geboren in Leipzig, lebte in ganz Europa, aber vor 11 Jahren kam er nach Görlitz und siedelte sich hier an. Albrecht Goetze ist Literaturhistoriker, aber zugleich Mechaniker von Beruf, er absolvierte auch Regie in England. 35 Jahre lang führte er sein bequemes Leben in München, das er nach 10 Jahren, nach dem Besuch in Görlitz und Zgorzelec, verlassen hat.

Ich interessiere mich für Musik und eines Tages durch Zufall bin ich auf eines der Werke von Olivier Messiaen gestoßen. Der Komponist hat mein Interesse geweckt, und als ich seine Partitur bekam und  feststellte, wo sie entstanden ist, habe ich mich entschieden, diesen Ort zu besuchen. Ich bin kein Messiaen’s Fan. Ich bin Fan der Musik.  In diesem Fall regte aber nicht nur Musik mein Interesse. Gerade in Görlitz, in der Vorstadt am rechten Ufer, auf dem Gebiet der heutigen Stadt Zgorzelec, befand sich Anfang der 40er Jahren das NS-Kriegsgefangenenlager Stalag VIIIA. // Goetze

Hier geriet  der französische Komponist Olivier Messiaen in Gefangenschaft und hier stellte sein berühmtestes Werk fertig: „Quartett für das Ende der Zeit“ („Quatuor pour la fin du temps”). Am 15. Januar 1941 wurde dieses Werk in einer der Lagerbaracken uraufgeführt.

Das ist ein Werk, das die klassische Musik des 20. Jahrhunderts neu definierte. Es zeigte, dass ein Mensch, um die schwersten Zeiten des Lebens zu überstehen, Kraft seines Geistes zeigen soll. Messiaen überlebte die schrecklichen Zeiten im Lager dank seiner Musik. Dabei half ihm auch tiefer Glaube. 2002, als ich hier gekommen bin, habe ich eine neue Tiefe des katholischen Glaubens entdeckt, obwohl ich selber nicht religiös bin. Auf dem Weg zum Stalag habe ich mich entschieden, hier zu bleiben. // Goetze

Warum? Für diesen Ort, diese Musik, für Messiaen – betont er. Albrecht Goetze hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Goerlitz und Zgorzelec ein internationales Zentrum der Musik und Bildung –MeetingPoint Music Messiaen – zu bilden. Hier sollten Konzerte, Wettbewerbe und Workshops für Komponisten sowie multimediale Kunst-Events sowie Meetings von jungen Menschen organisiert werden. Olivier Messiaen und seine Musik sollte ein Leitmotiv dieses Projektes sein. Zgorzelec und Görlitz sind bestens geeignet für so ein kulturelles Vorhaben, so der Professor.

Zwischen Polen und Frankreich gibt es eine jahrhundertealte Freundschaft, und auf diesem Fundament kann man den Meeting Point Music Messiaen bauen. 16 Jahre lang habe ich mich mit einem ähnlichen Projekt in Dachau beschäftigt. Diese Zeitdauer ist schon ein Beweis dafür, dass so ein Vorhaben zu den einfachsten nicht gehört. Ich bin mir bewusst, dass wir 10 – 15 Jahre zur Erfüllung dieser Aufgabe brauchen. Aber ich erinnere mich auch an das geteilte Europa meiner Kindheit und die Zeit, als ich von der Einigung und dem Zusammenwachsen Europas träumte. Zgorzelec/Görlitz eignet sich perfekt dazu, um die Idee zu verwirklichen. Mit Musik kann das wirklich gelingen. // Goetze

Um die Idee von Meeting Point Music Messiaen in Görlitz in die Tat umzusetzen, wurde ein Verein unter demselben Namen gegründet. Yvonne Loriod-Messiaen, die Witwe des Komponisten, hat zugestimmt, die Patenschaft für das Projekt zu übernehmen. Dank der engagierten Arbeit vom Verein wurden in Görlitz und Zgorzelec zahlreiche interessante Konzerte organisiert. Das letzte Konzert fand der Tradition nach am 15. Januar des laufenden Jahres auf dem Gebiet von Stalag VIIIA statt, gerade zum Jahrestag der Uraufführung des Werkes „Quartett für das Ende der Zeit“.


 

Interview mit Dr. Albrecht Goetze.

Wer sind Sie?
Ein Mensch, der erlebt hat, wie Europa im Kopf der Menschen in Ost und West geteilt war. Schreckliche Zeiten. In Berlin bin ich auf das Gymnasium gegangen, getrennt von meiner Familie, die in Ost-Deutschland wohnte. Nach Zgorzelec-Görlitz bin ich gezogen, weil ich hautnah erleben wollte, wie Europa zusammenwächst. Durch das Projekt Meetingpoint Music Messiaen dürfen wir nun plötzlich einen wichtigen Teil dieses Prozesses mitgestalten.

Warum gefällt Ihnen Musik von Olivier Messiaen?
Diese Musik vermittelt eine ungeheure Kraft und uns den Mut eines Menschen hören lässt, der seine eigene Klangwelt baut. Diese Musik klingt immer frisch in meinen Ohren, frisch wie Wasser aus einer Quelle: es ist immer dieselbe Quelle, gleiches Wasser, aber der Geschmack ist immer frisch und belebend, wie beim ersten Mal. Jeder Mensch ist wie eine solche Quelle, aber die Quelle Messiaens ist wirklich einzigartig. So wie es in Europa, in Deutschland und Polen herrliche Quellen gibt, zum Trinken in Flaschen, so  haben wir zum Hörenauch diese herrliche Musikquelle, entweder im Konzertsaal oder auf CD. Den Konzertsaal ziehe ich vor.

Warum sind Sie nach Zgorzelec umgezogen?
Ich bin nach Zgorzelec mit einem Zug aus München gekommen, weil ich diesen Ort sehen wollte, wo Olivier Messiaen sein „Quartett für das Ende der Zeit“ schuf. Ich studierte in München, dann  lebte ich in London, Hamburg und Paris  35 Jahre lang, wo ich in einem wunderbaren Haus mit Park gearbeitet habe. Um den Ort zu sehen, wo Olivier Messiaen komponiert hat, bin ich zu Fuß vom Bahnhof Görlitz zum Stalag VIIIA gelaufen. Auf dem Rückweg habe ich mich entschlossen, München zu verlassen und hierher zu ziehen.

Was fühlen Sie, wenn Sie die Musik von Olivier Messiaen hören?
Auch wenn das für andere schwer vorstellbar ist: mit jeder Faser meines Herzens fühle ich das, was das Unerklärlichste im Universum ist: ein Mensch, eine menschliche Persönlichkeit sein zu dürfen, als würde mein gesamtes inneres Netz unter Strom gesetzt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit dem Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A in Zgorzelec zu befassen?
Weil ich auf der letzten Seite der Notation des Werkes „Quartett für das Ende der Zeit“ las, dass es am 15. Januar 1941 im Stalag VIIIA im damaligen Görlitz vollendet wurde. Ich wollte unbedingt an den Ort kommen, wo diese Musik komponiert wurde Dann fand ich das Buch von Hannelore Lauerwald „In fremdem Land“. Mir wurde das Ineinander von Gegensätzen klar: der Horror des Krieges – und mitten in diesem Schrecken eine galaktische Musik, die zum Nachdenken inspiriert. Dann durfte ich den wunderbaren und bescheidenen Professor Roman Zgłobicki aus Zgorzelec kennen lernen. Auf seinem Wissen bauen unsere Geschichts-Workshops auf. Und seitdem wächst unsere Kenntnis und unser Gedächtnis vom StalagVIIIA und Messiaens Musik für Zgorzelec und Görlitz, für Polen, Deutschland, Tschechien, aber auch für ganz Europa, das vom Projekt berührt ist.

Was sind Sie von Beruf?
Mein erster Beruf ist Dozent für Deutsche Literaturgeschichte. Ich habe in München studiert, Magister gemacht und promoviert, dann fünf Jahre lang am Wagner College Staten Island/New York als Dozent gearbeitet. Dann habe ich als Theaterregisseur und Lehrer bei der Royal Shakespeare Company in Stratford und London, und zum Schluss am Thalia Theater in Hamburg gearbeitet. Danach habe ich eine Lehre als Werkzeugschlosser abgeschlossen und meinen Meister gemacht – mein Meisterstück, ein Gerät, wurde für BMW München gebaut und steht jetzt im Museum. Und dann habe ich begonnen zu komponieren.

Autor: Karolina Krążyńska


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